Klettern in Krabi: Unterwegs in Railay und Tonsai

Munich – Bangkok

Regen, Schnee, Graupel und Temperaturen below zero machen einem die Entscheidung, ins Warme zu fliegen, nicht allzu schwer. Dass genau die Wärme beim Klettern das große bestimmende Thema sein wird, dazu später mehr 😉. Von München nach Bangkok geht es in ca. 15 Stunden, mit einem Stopp und um knapp 700 €. In Bangkok angekommen, wird man als daunenjackengewohnter Alpenkletterer von der Luftfeuchtigkeit mehr oder weniger erschlagen. Nach kurzer Akklimatisierung (Wechsel der Klamotten auf Shirt und Flip-Flops) geht’s für uns mit dem Taxi Richtung Hotel. Da wir die meiste Zeit auf unseren Reisen im Auto schlafen und auch sonst fast nur in günstigeren Apartments übernachten, wollten wir uns die ersten drei Tage etwas gönnen. Somit fiel die Entscheidung auf ein gehobenes und modernes Hotel, von dem aus man in ca. 10 Minuten zu Fuß den bekannten Chao Phraya River erreicht.

Bangkok in einem Wort? Interessant.

Grundsätzlich sind das Reisen und die Fortbewegung in Thailand sehr sehr günstig. Dementsprechend entspannt lässt sich die Stadt erkunden. Per Taxi, TukTuk oder auf dem Wasser im Longtailboot, kommt man günstig und schnell durch die Stadt. Erkundigt euch in jedem Fall was die ortsüblichen Preise sind. Eine Fahrt mit dem Longtailboot gibt’s in der Preisspanne von 1 € bis 10 € 😉. Sehenswürdigkeiten: Wir hatten nur drei Tage, weshalb ich euch keine wirklichen „Insider-Tipps“ geben kann. Zwei Anregungen gibt’s trotzdem:

 Chatuchak-Markt, der größte Markt Thailands und Wat-Arun

Mehr Informationen über den Chatuchak-Markt und Wat-Arun

Chatuchak-Markt: nimmt eine Fläche von 1,13 Quadratkilometern ein und gilt mit seinen über 10 000 Ständen und Geschäften als der größte Markt Thailands. Hier darf gefeilscht werden! Täglich kommen bis zu 300 000 Menschen auf den Chatuchak-Markt, um dort einzukaufen. (Quelle: Wikipedia)

Wat-Arun: ist ein buddhistischer Tempel in Bangkok, Ortsteil Bangkok Yai, am westlichen Ufer des Chao-Phraya-Flusses. Der vollständige Name des Tempels ist Wat Arun Ratchawararam Ratchaworamaha Wihan. Im Mittelpunkt von Wat Arun steht der zentrale Phra Prang. Er bildet den Aufbau des Kosmos ab. (Quelle: Wikipedia)

Krabi – Railay – Tonsai

Mit dem Flugzeug ging es drei Tage später weiter Richtung Tonsai. Die Flugverbindung von Bangkok nach Krabi ist absolut top und kann ohne Probleme auch direkt vor Ort, entweder am Flughafen oder übers Internet, gebucht werden. Es gibt anscheinend auch die Möglichkeit mit dem Bus nach Krabi zu fahren. Für einen Preis von 70 € (Hin- und Rückflug) haben wir uns aber klar fürs Fliegen entschieden. Am Flughafen in Krabi gibt es viele kleinere und größere Ticketschalter. Der angepeilte Hafen ist Ao-Nang, ihr könnt aber auch direkt nach Railay Beach oder Tonsai fragen. Den gewünschten Bus findet man recht schnell und unkompliziert – bezahlt wird direkt beim Fahrer oder am Ticketschalter.

Vom Flughafen ging es für uns dann mit einem kleinen Bus in ca. 40 Minuten direkt nach Ao-Nang. Dort angekommen, hört man von allen Seiten die „Boatman“ schreien „Railay Railay“ „Tonsai Tonsai“. Nach kurzer Preisverhandlung startete die Fahrt. Die Überfahrt war aufgrund zweier Punkte „recht speziell“. Punkt 1: Es war Nacht. Punkt 2: Tropengewitter. Den Rest könnt ihr euch denken. Die Überfahrt kostet normal ca. 5-10 € pro Person. Da unser Bootsfahrer aufgrund der hohen Wellen eine vorgelagerte Bucht ansteuerte und es einiges an Überzeugungskraft und Geld benötigte ihn zur Weiterfahrt zu bewegen, haben wir letztendlich ca. 30 € für unseren Transfer bezahlt.

Die Ruhe nach dem Sturm, Sonnenuntergang inklusive

Where to stay

Tonsai und Railay sind auf einer Halbinsel gelegen. Umringt von Dschungel und recht steilem Gelände, lässt sich das Gebiet nur per Boot erreichen. Railay-Beach (unterteilt in East und West) ist übersät mit Hotelanlagen. Das Publikum entspricht dementsprechend mehr dem typischen Ballerman-Touristen, als dem der naturverbundenen Kletterer. Tonsai ist dann mehr eine Mischung aus alternativem „Aussteiger-Ort“, Klettercamp und Sportresort für Rucksacktouristen. Die überall auf der Insel zu findenden „Ressorts“ wirken auf den ersten Blick meist besser als sie tatsächlich sind. Aufgrund der Vielzahl, kann die Unterkunft ohne große Probleme auch direkt vor Ort gebucht werden. Ihr habt dadurch die Möglichkeit, euch einen groben Überblick über die Lage und die Sauberkeit des Ressorts zu verschaffen –was wir auf jeden Fall empfehlen würden. Wer es ganz günstig sucht, findet in Tonsai Richtung Dschungel mit abnehmender Strandnähe viele günstige Bungalows. Wer für eine oder zwei Nächte lediglich ein Bett und je nach Tageszeit etwas Strom benötigt, kann für deutlich unter 10€ pro Nacht in einem der Bungalows schlafen. Die Kletterspots sind auf der ganzen Insel verteilt. Wo und wie ihr übernachtet, bleibt mehr oder weniger egal, da alles gemütlich zu Fuß in einem Radius von 20 Minuten erreichbar ist.

Best time to travel

Auch wenn mittlerweile im Landesinneren von Thailand fleißig neue Klettergebiete erschlossen werden, ist und bleibt Tonsai das Kletterzentrum in Südostasien. Der Strand, die einzigartige Landschaft und die Nähe zum Meer, werden ihre Attraktivität als Gesamtpaket auch in Zukunft so schnell nicht verlieren. Die Hauptreisezeit bewegt sich zwischen Anfang Dezember und Ende Februar. Wer in diesem Zeitraum anreist, sollte sich auf längere Wartezeiten in den leichteren Routen einstellen. Die Regenzeit beginnt offiziell im Mai und endet im Oktober. Ob und wie man von Mai bis Oktober noch klettern kann, wissen wir leider nicht. Einige Locals meinten, es wäre auch in diesem Zeitraum kein Problem, da die Gebiete nach Regen schnell abtrocken oder erst gar nicht nass werden.

Preparations for climbing

Was muss ich mitnehmen? Kommen wirklich 15 Exen und das schwere 70-Meter-Seil ins Gepäck? Wenn wir reisen, haben wir uns bisher immer für die Mitnahme des eigenen Materials entschieden. In Tonsai gestaltet sich die Lage bzgl. Leihmaterial relativ entspannt.
Wer also ohnehin nur wenige Tage klettern möchte, kann sich das benötigte Material in einem der vielen kleinen Klettershops vor Ort leihen. Zur Qualität des Materials können wir leider wenig sagen, es scheint aber einige größere Firmen zu geben, welche die Locals vor Ort unterstützen und dafür sorgen, dass keine zu alten Seile verwendet werden.

Guide-Book: Wir waren mit dem Kletterführer „King Climbers. Thailand Route Guide Book“ super zufrieden. Die Zustiege und Gebiete sind gut beschrieben, die Routen gut eingezeichnet. Kauft den Kletterführer bitte vor Ort in einem der Shops. Das Geld landet mit Sicherheit an der richtigen Stelle und ihr erhaltet definitiv die aktuellste Version.

Climbingspot/climbingstyle

Steil, steiler, Tonsai?

Überhangkletterei in Tonsai

Ganz so extrem ist es nicht. Wer faceclimbing an Leisten sucht, wird enttäuscht werden. Wer kräftige, steile und oftmals dreidimensionale Kletterei mag, wird in Tonsai sein Paradies finden. Tipp: Kneepad nicht vergessen 😉!

Die Sektoren
Tonsai-Wall/Tyrolean Wall/Dums Kitchen

Die drei bekanntesten und beeindruckendsten Sektoren in Tonsai befinden sich direkt am Strand. Tipp: Seilsack nicht vergessen 😉! Die Überhänge und Dächer am Strand liefern abgefahrene 3D-Kletterei. Die etwas „flacheren“ Wände bieten meist weite Züge an großen, offenen Griffen. Thomas wurde auf der Suche nach klassischer Leistenkletterei in „Asias Shadow Play (8a+)“ fündig. Für ernsthafte Versuche heißt es aber sehr früh aufstehen, denn das  Vorhaben „kleine Leisten bei Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit“ war recht schnell wegen offener Haut erledigt. Spätestens wenn die Sonne kommt ist an schweres Klettern nicht mehr zu denken. Frühes Aufstehen oder die Stirnlampe Auspacken ist angesagt. Da die bekannteren Gebiete oft auch die Ziele der Guides und ihren Gruppen sind, empfiehlt es sich ohnehin frühmorgens oder spätabends zu klettern.

Firewall/Melting-Wall

Beide Sektoren sind vom Strand aus in wenigen Minuten erreichbar und befinden sich nachmittags im Schatten. An der Firewall findet ihr wirklich schöne Touren im unteren 6ten Franzosengrad. Da wir nach einer Stunde klettern von einer ganzen Affenhorde belagert wurden, haben wir unsere Zelte abgebrochen und sind zurück zum Strand.

Affen
Wir wurden oft gefragt, wie aggressiv die Affen sind und ob sie einem tatsächlich die Pancakes aus dem Rucksack stehlen. Grundsätzlich ist man immer gut beraten sämtliches Essen, Kameraequipment und auch Wasserflaschen im Rucksack nicht sichtbar zu lagern. Liegen offene Früchte oder Dosen neben euren Rucksäcken, zieht das die Affen natürlich an. Sind sie erstmal da und wird dann versucht sie mit dem Fuß oder Arm zu vertreiben, endet es ungemütlich. Nehmt am besten erst gar keine Cola-Dosen mit an den Felsen. Ihr spart Müll und müsst euch nicht mit einem zuckersüchtigen Affen um den letzten Schluck Cola streiten.

Railay-Beach

In Railay gibt es noch einige Sektoren, die sich länger im Schatten befinden. „Wee´s Present Wall“ oder „Muay Thai Wall“ sind unserer Meinung nach einen Besuch wert. Die Kletterei beginnt auch hier überwiegend ab dem 6ten Franzosengrad. An der Muay Thai Wall und am gegenüberliegenden Strand, im Phra Nang Sektor, gibt es einige lohnende und leichtere Routen im 5ten Grad. Wer sich an den Touristen nicht stört, kann in Phra Nang wunderbare Sonnenuntergangsstimmung mit Sinterkletterei verbinden. Weitere supercoole Routen: Lars & Lars (7a); Placebo (6c); Longes Feschtl (6b+); might as well hurl (7c).

Schweißtreibendes Klettern in Railay

Food

Bars, Restaurants und Garküchen in typisch asiatischer Manier gibt es so ziemlich an jeder Ecke. Das Essen ist günstig und lecker. Neben dem klassischen Essen á la Reis mit Gemüse und Fleisch, muss man die Pancakes gegessen haben. Wäre Thailand nicht aufgrund seiner Strände berühmt, dann mit Sicherheit wegen der Pancakes. Mit Banane/Nutella rockt man in jedem Fall den Tag 😉.

Das Leben in Railay und Tonsai ist bunt, bei Tag und Nacht.

Für die Abendunterhaltung wird sowohl in Railay, als auch in Tonsai einiges geboten. Uns wurde der Trubel meist zu viel, weshalb wir eher in den gemütlicheren Bars saßen. Als Bayer ist der Qualitätsanspruch beim Bier natürlich hoch. Unseren Geschmack traf „Leo-Bier“. Wirklich schlecht war aber keines der Biere. Da heißt es probieren – Gelegenheiten gibt es einige 😉.

Tourism/Climbing-Tourism

Als Kletterer blicken wir mit einem traurigen und einem lachenden Auge zurück auf Tonsai. Lachend, wegen der unglaublichen Anzahl an Routen mit für uns total abgefahrener Kletterei. Auf der anderen Seite ist es traurig zu sehen, wie das Land, der Sport und der „Climbing-Lifestyle“ bis zum letzten Thai-Baht ausgequetscht werden. Guides mit Gruppen von mehr als 15 Personen bevölkern regelrecht die Gebiete, das Ergebnis: mehr Toprope-Seile als an einem Kletterhallen-Sonntag zur Kindergeburtstags-Rush-Hour. Dazu mischen sich japanische Kletterkids, welche von ihren Trainern mit Laserpointern den nächsten „Jug“ gezeigt bekommen.

Die Fragen, die wir uns im Nachhinein stellen: Wo bleibt der Spaß? Wo bleibt die Natur? Wo bleibt das Auseinandersetzen mit dem Fels?

Der reine Konsum des Produkts „Kletter-Lifestyle“ macht nachdenklich. Es scheint einige Projekte zu geben, welche sich um die Sanierung und Erschließung neuer Gebiete kümmern. Nähere Informationen findet ihr unter: https://www.facebook.com/ThaitaniumProject. Auch kleine Dinge können Großes bewirken: Bitte nehmt euren Müll wieder mit in die Ressorts und vermeidet es, unnötigen Plastikmüll zu kaufen. Selbst eine einzelne Wasserflasche oder Kokosnuss wird nochmal in einen kleinen Plastikbeutel verpackt. Lehnt man dies ab, schafft man es vielleicht in vielen kleinen Schritten bei den örtlichen Händlern eine andere Einstellung zu erreichen. Wir verließen Thailand mit der Bestätigung, dass Leisten bei 0 Grad manchmal besser sein können als bei 34 Grad und den gemischten Gefühlen über den Tourismus in einer der traumhaftesten Felsformationen.

Liebe Grüße, eure Micha

Michaela schließt am Strand das Seil auf

Steckbrief Michaela Koller

Jahrgang: 1993
klettert seit: 2013
arbeitet: an ihrer Maximalkraft ;), mein Kaiserschmarrn-Budget verdiene ich in der Bankbranche
mag: Kaiserschmarrn, Kalkleisten, Granitleisten
mag nicht: Regen, Dunkelheit, im Rucksack vergessene Brotzeit
mag manchmal: Überhang
aufgewachsen: in Oberaudorf
kletterte:  viel! Meine schönste Route: Powerplay (7b), Achleiten
boulderte: zu wenig

Interesse an weiteren Artikeln? Einfach hier anmelden.