Kletterurlaub in Kroatien

Osterferien in Buzet

Ab in den Süden!

Auf die Frage meiner Freunde, wo Buzet sei, konnte ich bis vor Kurzem nur Antworten: „Irgendwo in Kroatien.“, denn viel mehr wusste ich nicht über die Destination meines Osterurlaubs. Nach einer kleinen Google-Session stellte ich fest, dass Buzet im Nordwesten von Kroatien liegt, nur ca. 15 Minuten von der slowenischen Grenze und ca. 40 Minuten vom adriatischen Meer entfernt ist. Zu Buzet gehört auch das Städtchen „Hum“, welches als kleinste Stadt der Welt gilt: mit nur 30 Einwohnern.

Obwohl man nur rund 5 Autostunden von Innsbruck unterwegs ist, war ich bis dato noch nie in Kroatien. Es ist somit eine perfekte Alternative zu Arco (2h), Finale Ligure (5,5h), Céüse (8h) oder der Verdonschlucht (9h). Die besten Jahreszeiten um dort zu klettern sind Herbst, Winter und das Frühjahr. Bevor ich mit den Eindrücken vom Klettern beginne, noch ein kleiner Tipp: Lasst euch von den unfreundlichen Kontrolleuren beim unscheinbaren Grenzübergang von Slowenien nach Kroatien nicht die Laune verderben. Pässe und Personalausweisen bereithalten, abgeben und weiterfahren sobald man sie zurück hat. Auf einen Gruß, ein Nicken oder ähnliches wartet man vergeblich.

Sundowners at its best.

Aus Erzählungen wusste ich, dass die Routen „sooo lang“ seien, was mich zum Zweifeln brachte, ob Kroatien die richtige Wahl war, denn die Ausdauer reichte bestenfalls für 25m Touren. Glücklicherweise gab es keinen Mangel an Touren mit 20-25m. Das Guidebook be-inhaltet 70 Klettergebiete, wovon der größte Teil aus Routen zwischen 6a und 7b sowie Mehrseillängen besteht. Kroatien entpuppt sich daher als sehr gutes Gebiet für Anfänger, um die ersten Erfahrungen im Freien zu sammeln. Während des 7tägigen Trips statteten wir 3 verschiedenen Gebieten einen Besuch ab: Kompanj, Pandora (Sopot) und Buzetski Kanjon.

Kompanj

In Kompanj findet man 69 Routen zwischen 6a und 7c+, die restlichen 17 sind im Bereich 8a oder härter angesiedelt. Eine Empfehlung meinerseits ist die „Beastiequeen“ (7a+), welche wirklich schön und technisch zu klettern ist. Von dem „schwereren Zeug“ sind „Rocket MAX“ 8a+/8b sowie „Reinini“ 8b (eher 8b+) richtige Schmankerl.

Nach einer ca. 10-15 minütigen Autofahrt vom Appartement, dauert der Zustieg, je nach angesteuertem Sektor, noch gemütliche 10-15 Minuten. Das Sprichwort „the early bird catches the worm“ gilt vor allem an sonnigen Tagen, da Kompanj südwestlich ausgerichtet, und daher für heiße (Sommer)Tage nicht ideal ist. Mitte April kann man bis ca. 13 Uhr gut klettern, bis die Sonne ums Eck kommt und es schnell zu warm wird. Ab ca. 17 Uhr kann abends wieder im Schatten geklettert werden, um die aus-stehenden Projekte abzuknipsen. Kompanj ist das wohl beliebteste Gebiet unter den Ein-heimischen und Urlaubern, was hauptsächlich an den Wochenenden bemerkbar wird: Volle Parkplätze, anstellen bei den leichteren Routen und ein ziemlicher Lärmpegel am Felsen. Aber keine Sorge, sobald du 7c oder schwerer kletterst, hast du nichts zu befürchten, denn die Routen sind meistens frei 😉

Karo Sinnhuber in „Reinini“ 8b // Kompanj

Pandora (Sopot)

Nach Sopot konnte man von unserem Appartement theoretisch zu Fuß gehen, denn es sind nur 2,5 km – die Anreise mit dem Auto ist daher dementsprechend kurz. Den Parkplatz zu finden, gestaltete sich als schwierig, bis wir auf der linken Seite eine Holztafel mit „Climbing“ entdeckten und durch viel Gestrüpp durchfuhren, bevor wir den kleinen Parkplatz erreichten. Das Gebiet besteht fast nur aus harten Routen in extrem steilen Dächern. Jedoch wird es, wie in Kompanj, extrem warm, sobald die Sonne hin scheint. Glücklicherweise war es an unseren Tagen in Pandora bewölkt und windig, somit ließ es sich (mit kalten Fingern) ziemlich gut klettern. Auch wenn es etwas regnet kann man hier klettern, der Zustieg gestaltet sich dabei noch etwas schwieriger als er sonst schon ist. Sopot ist nur durch einen Klettersteig erreichbar, bei dem man einige Meter nach unten klettern muss. Bei nassen Seilen, Wänden und Metallstecken, die aus der Wand ragen, besteht akute Ausrutschgefahr. Am Felsen angelangt, hat man nur einen kleinen Bereich wo man angenehm stehen und sitzen kann. Je weiter man sich nach rechts bewegt, desto steiler wird das Gelände hier schafft ein Fixseil Abhilfe. Persönliche Empfehlung meinerseits: Neytiri (8a)! Super schöne ausdauernde Route auf 18m.

Die noch leicht nassen Überhänge von Pandora.

Buzetski Kanjon

Neben einem kleinen Fluss befinden sich die 4 Sektoren des „Buzetski Kanjons“, wovon „Befana“ im Schatten ist. Leider dauert es nach einer Regenphase fast eine Woche, bis der Fels auftrocknet, daher konnten wir die halb nassen Routen nur von unten anschauen und nicht probieren. Die hohen überhängenden Wände bieten erneut viele Sinter und von 6a+ bis 8b+ sind alle Schwierigkeitsgrade vertreten. Im Sektor „Pengari“ gibt es Routen von 6a bis 8a+, welche man im April im Schatten bis ca. 13 Uhr klettern kann. Sobald die Sonne reinkommt, wird es sehr warm im Kessel und ein Sektorenwechsel zum gegenüberliegenden „Doser“ bietet sich an. Dieser kommt ab Mittag in den Schatten und bietet Routen von 6a+ bis 8a+. Zu Mittag kann man auch gemütlich eine Siesta unten am Fluss einlegen: Kaffee kochen, sich abkühlen, chillen und, je nach Temperatur, schwimmen gehen.

Am Parkplatz bietet es sich an zu Campen, da es sehr ruhig und flach ist, und der Fluss vorbei rinnt. Generell wird es in Kroatien jedoch nicht gerne gesehen, wenn Leute campen. Daher bitte entweder ein Appartement buchen, oder das Zelt/den Van nicht offensichtlich platzieren, um kein Ärgernis zu erregen. Der Zustieg zu den Sektoren beträgt maximal 10 Minuten und ist für Kinder gut geeignet. Um zu dem Sektor „Zimski“ zu gelangen, muss ein anderer Parkplatz angesteuert werden und der Zustieg ist laut Guidebook nicht für Kinder geeignet, da man über einen kleinen Klettersteig hingelangt.

Art der Kletterei

Wer Tufas liebt, ist hier definitiv am richtigen Fleck gelandet! Sinter soweit das Auge reicht und gut für die Dropknee- und Kneebarskills. Für jene, die diese Wörter noch nie gehört haben eine kurze Erklärung: Beim Dropknee verspreitzt man sich zwischen 2 Tufas/Tritten, wobei man sich beim Knie nach unten drehen eindreht. Das Resultat ist eine relativ stabile Position. Merke: Wenn das rechte Knie nach unten schaut, muss die rechte Hand den nächs-ten Zug machen (und umgekehrt). Bei einem „Knieklemmer“ (Kneebar) kann man das Knie bzw. den unteren Teil des Oberschenkels hinter einem großen Griff verklemmen. Wichtig dafür ist ein Tritt der gut genug ist, um Druck darauf zu halten – deshalb sind gerade die Sinter für diese Technik ideal.

Sinter als Tritt + Sinter daneben für das Knie = Kneebar = eventueller No-hand-rest

Bei geringer Schmerztoleranz empfehle ich eine lange Hose und ein Kneepad, um aufgeschürfte Oberschenkel zu vermeiden. Der Vorteil vom Kalkfelsen besteht darin, dass oft Zwischengriffe gefunden werden können, falls die Körpergröße für gewissen Züge nicht ausreicht. Granit hingegen (Zillertal), ist nicht besonders dankbar.

Unterkunft

Auf Airbnb sowie booking.com finden sich viele Appartements in Buzet und Umgebung. Wir haben uns für das „Apartmani Xenia & Desiderio“ entschieden, da es uns von einem Bekannten empfohlen wurde. Mit 20€ pro Nacht pro Person gibt es wohl kaum etwas billigeres mit dieser Ausstattung. Eine kleine Küche (leider ohne Backofen), modernes Bad, Zimmer zum Wohlfühlen und eine Terrasse mit Grill, gestalteten unseren Aufenthalt sehr angenehm. Der Einrichtung nach zu urteilen, wurde vor nicht allzu langer Zeit eine rundum Renovierung vorgenommen. Ein klitzekleiner Kritikpunkt unsererseits, war das ungemütliche Wohnzimmer – aber man ist ja zum Klettern und nicht zum Chillen da, oder? Die Unterkunft war bei unserer Buchung vor Ort in bar zu bezahlen, akzeptiert werden Euro und Kuna. Ich empfehle jedoch, den Betrag in Euro mitzunehmen, da der Wechselkurs beim Beheben von Kuna schlechter ausfällt, und man somit draufzahlt.

Einkaufen

Praktischer ging es kaum, denn direkt gegenüber von unserem Appartement befand sich ein großer Supermarkt namens Plodine. Die Öffnungszeiten: Mo-So jeweils von 7:00-22:00, also kann auch nach einer Nightsession noch ein Belohnungsbier gekauft werden 😉
Bezahlt wird in Kroatien mit „Kuna“, wobei 1 Euro ca. 7 Kuna entspricht. Das Preisniveau liegt meiner Erfahrung nach nicht unter dem österreichischen, besonders billig waren jedoch die Walnüsse und der Cappuccino im Cafè. Im Supermarkt kann mit Karte bezahlt werden, ansonsten wird nur Bargeld akzeptiert. Daher sicherheitshalber zu Beginn des Trips einfach ein paar Kuna am Bankomaten beim Supermarkt abheben.

Verhungert sind wir anscheinend nicht 😉

Restdays

An unserem Rasttag fuhren wir rund 40 Minuten nach Koper (Slowenien), in der Hoffnung, am Strand etwas zu baden. Der erhoffte Strand stellte sich leider als Betonstrand heraus, wodurch sich das Badevergnügen erübrigte. Temperaturtechnisch war es wohl auch etwas optimistisch, im April schon im Meer zu baden…

In Koper gibt es einige nette Café/Bars sowie Eisdielen und die Altstadt bietet sich zum Bummeln und Shoppen an. Ein kleiner Abstecher zum Hafen sollte man auf alle Fälle ein-planen, denn die massiven Frachter und Container sind ziemlich beeindruckend.
Für diejenigen, die mehr von Koper und umliegenden Städten erfahren möchten, können Hop-on Hop-off Touren gebucht werden.
Kleiner Tipp: Wenn man auf der Bundesstraße von Buzet nach Koper fährt, erlebt man schöne Eindrücke von Istrien, welche zu einigen Stopps verleiten um ein Foto zu machen.

Klein aber fein, die Hafenstadt Koper

Wen es nicht in die Stadt oder ans Meer treibt, der kann sich an den Rasttagen aktiv betätigen. Die Ausrede, dass man keine Wanderschuhe dabei hat, zählt nicht, denn normale Turnschuhe reichen völlig aus. Die 11km lange Wanderroute „Minjera“ führt unter anderem am Klettergebiet „Buzetski Kanjon“, einem Bergwerkstollen mit Tropfsteinen, alten Dörfern sowie einigen Wasserfällen vorbei. Kurz bevor man zu dem Sektor „Befana“ abbiegt, befindet sich ein tieferes Wasserbecken, welches Sprünge vom Rand möglich macht.

Wer traut sich als erstes reinzuspringen?

Bei steigenden Temperaturen bietet das nur 30 Minuten entfernte „Istralandia“ für Familien und auch schon etwas größere „Kinder“ eine willkommene Abkühlung mit Pools und Rutschen. Man ist ja bekanntlich nie zu alt für Hüpfburg und Rutschen!

Hier einige hilfreiche Tipps nochmal kurz zusammengefasst:

  • Sommersektor: Befana (Buzetski Kanjon)
  • Immer etwas Bargeld dabeihaben, Kartenzahlung wird nur im Supermarkt akzeptiert
  • Kaffee ist extrem billig!
  • Campen vermeiden

Vielleicht sieht man sich im Herbst in Kroatien beim Klettern 😉
Liebe Grüße,
Karo

Manox_KaroSinnhuber

Steckbrief Karo Sinnhuber

Jahrgang: 1995
klettert seit: gefühlt 1995, wirklich 1999
arbeitet: als wannabe Pro-climber
mag: jegliche Art von Essen!
mag nicht: volle Kletterhallen und schlechtes Wetter
mag manchmal: einfach nicht aus dem Bett raus
aufgewachsen: dank meinen Eltern in verschiedensten Klettergebieten 😀
kletterte: ihre erste Route (für Nina, 4-//Frankenjura) im Alter von 4 Jahren
boulderte: bis 8b und hoffentlich noch schwerer

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